Sommerekzem

Das Sommerekzem ist eine allergisch bedingte Hauterkrankung des Pferdes, die durch den Speichel bestimmter Stechmücken ausgelöst wird und mit intensivem Juckreiz sowie entzündlichen Hautveränderungen einhergeht.

Das Sommerekzem, auch als „Sweet Itch" oder saisonale rekurrierende Dermatitis bezeichnet, zählt zu den häufigsten Hauterkrankungen beim Pferd. Es handelt sich um eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems (Hypersensitivität vom Typ I und Typ IV) auf Proteine im Speichel von Stechmücken der Gattungen Culicoides (Gnitzen) und, in geringerem Maß, Simulium (Kriebelmücken). Die Erkrankung ist nicht ansteckend, hat jedoch eine genetische Komponente, weshalb bestimmte Rassen und Individuen deutlich anfälliger sind als andere.

Betroffene Rassen und Verbreitung

Besonders häufig erkranken Pferde nordischer Rassen, darunter Isländer, Haflinger, Friesen und Tinker. Bei Islandpferden, die auf die Insel Island importiert oder dort geboren und später ins Ausland verbracht werden, tritt die Erkrankung mit besonders hoher Prävalenz auf, da auf Island die auslösenden Gnitzen fehlen und die Tiere dort keine natürliche Exposition entwickeln. Grundsätzlich kann jedoch jedes Pferd erkranken, unabhängig von Rasse oder Geschlecht.

Symptome

Die Erkrankung verläuft saisonal und tritt typischerweise in den Monaten von Frühjahr bis Herbst auf, wenn die Stechmücken aktiv sind. Charakteristisch ist ein ausgeprägter, oft quälender Juckreiz, der bevorzugt an Mähne, Schweif, Widerrist, Rücken und Bauchnaht auftritt. Betroffene Pferde scheuern sich intensiv, was zu Haarverlust, Hautschädigungen, Krusten, Verdickungen und in schweren Fällen zu offenen Wunden führt. Im Laufe der Jahre tendiert die Erkrankung dazu, sich zu verschlimmern, da das sensibilisierte Immunsystem immer heftiger auf den Mückenspeichel reagiert.

Diagnose

Die Diagnose stützt sich in erster Linie auf das klinische Bild sowie auf die saisonale Wiederkehr der Symptome. Ergänzend können intradermale Allergietests oder serologische Untersuchungen eingesetzt werden, um die Sensibilisierung gegenüber Culicoides-Antigenen nachzuweisen. Differenzialdiagnostisch sind andere Hauterkrankungen wie Räude, Dermatophytose oder Futtermittelallergie auszuschließen.

Behandlung und Management

Eine ursächliche Heilung des Sommerekzems ist bislang nicht möglich. Die Therapie zielt daher auf die Linderung der Symptome und die Vermeidung des Kontakts mit den auslösenden Insekten ab. Konsequenter Insektenschutz steht dabei im Vordergrund: Spezielle Ekzemdecken, die Mähne, Rücken, Bauch und Schweifansatz abdecken, haben sich als wirksames Mittel erwiesen. Ergänzend empfiehlt sich die Aufstallung der Tiere in den Dämmerungsstunden, da Gnitzen dann besonders aktiv sind. Stehende Gewässer und windgeschützte Bereiche in der Nähe des Auslaufs sollten nach Möglichkeit gemieden werden, da sie optimale Lebensräume für Culicoides darstellen.

Medikamentös werden bei akuten Schüben Kortikosteroide eingesetzt, um den Juckreiz zu dämpfen und Entzündungen zu reduzieren. Antihistaminika zeigen beim Pferd eine weniger zuverlässige Wirkung als beim Menschen, können jedoch unterstützend gegeben werden. Rückfettende und beruhigende Pflegeprodukte helfen, die Haut zu stabilisieren. In jüngerer Zeit wird auch die Hyposensibilisierung – eine spezifische Immuntherapie mit graduell steigenden Allergendosen – erforscht, ist jedoch noch nicht standardmäßig etabliert.

Bedeutung im Reitsport

Für den Reitsport ist das Sommerekzem insofern relevant, als stark betroffene Pferde durch intensives Scheuern erheblichen Stress erleiden und in ihrer Reitbarkeit eingeschränkt sein können. Darüber hinaus sind Rücken- und Sattellagenverletzungen durch Scheuern möglich, die das Reiten zeitweise unmöglich machen. Beim Kauf eines Pferdes sollte die Erkrankungsgeschichte sorgfältig geprüft werden, da das Sommerekzem als chronische Erkrankung unter Umständen einen Sachmangel darstellen kann.

Häufige Fragen

Was ist Sommerekzem beim Pferd?

Das Sommerekzem ist eine allergisch bedingte Hauterkrankung des Pferdes, die durch Proteine im Speichel von Stechmücken, vor allem Gnitzen der Gattung *Culicoides*, ausgelöst wird. Es handelt sich um eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems, die mit intensivem Juckreiz und entzündlichen Hautveränderungen einhergeht und saisonal von Frühjahr bis Herbst auftritt.

Welche Pferde bekommen Sommerekzem?

Grundsätzlich kann jedes Pferd ein Sommerekzem entwickeln, jedoch erkranken Pferde nordischer Rassen wie Isländer, Haflinger, Friesen und Tinker besonders häufig. Die Erkrankung hat eine genetische Komponente, weshalb bestimmte Rassen und Individuen deutlich anfälliger sind als andere.

Wie erkenne ich Sommerekzem beim Pferd?

Typische Anzeichen sind starker Juckreiz sowie Haarverlust, Krusten und Hautschädigungen, die bevorzugt an Mähne, Schweif, Widerrist, Rücken und Bauchnaht auftreten. Betroffene Pferde scheuern sich intensiv, was in schweren Fällen zu offenen Wunden und Hautverdickungen führen kann.

Ist Sommerekzem beim Pferd ansteckend?

Nein, das Sommerekzem ist nicht ansteckend, da es sich um eine individuelle Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems handelt und nicht um eine Infektionskrankheit.

Wird Sommerekzem beim Pferd schlimmer mit der Zeit?

Ja, die Erkrankung tendiert dazu, sich im Laufe der Jahre zu verschlimmern, da das sensibilisierte Immunsystem auf weitere Kontakte mit den auslösenden Mückenspeichel-Proteinen zunehmend stärker reagiert.

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