Untugenden
Als Untugenden bezeichnet man im Pferdesport erlernte Verhaltensweisen oder Unarten von Pferden, die im Umgang, bei der Arbeit oder im Stall auftreten und die Sicherheit von Mensch und Tier beeinträchtigen können.
Als Untugenden werden im reitsportlichen und tiermedizinischen Kontext unerwünschte Verhaltensweisen des Pferdes bezeichnet, die durch Erfahrungen, fehlerhafte Ausbildung, Haltungsmängel oder psychische Belastung erlernt wurden. Sie sind von angeborenen Charaktereigenschaften abzugrenzen, da sie grundsätzlich eine reaktive Entstehungsgeschichte haben. In der Praxis ist die Grenze jedoch nicht immer eindeutig zu ziehen, da individuelle Veranlagung und Umwelteinflüsse zusammenwirken können.
Entstehung und Ursachen
Untugenden entstehen häufig als Reaktion auf Überforderung, Schmerz, Langeweile oder fehlerhafte Handhabung. Ein Pferd, das beim Aufsteigen wiederholt schmerzhafte Erfahrungen gemacht hat, kann daraufhin das Durchgehen oder das Steigen erlernen. Ebenso begünstigen Haltungsbedingungen mit zu wenig Bewegung und sozialer Isolation die Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten. Wichtig ist, organische Ursachen wie Schmerzzustände oder Erkrankungen vor der Bewertung als Untugend auszuschließen, da ein Tier zunächst veterinärmedizinisch untersucht werden sollte.
Häufige Untugenden beim Reiten
Zu den klassischen Untugenden unter dem Sattel zählen das Durchgehen, das Steigen, das Bocken sowie das Scheuen. Beim Scheuen reagiert das Pferd auf optische oder akustische Reize mit unkontrollierten Ausweichbewegungen. Steigen und Bocken stellen besondere Sicherheitsrisiken für den Reiter dar und können auf Rückenprobleme, falsch sitzende Ausrüstung oder unzulängliche Hilfengebung zurückzuführen sein. Auch das Durchgehen, bei dem das Pferd die Kontrolle des Reiters unterbricht und unkontrolliert vorwärtsdrängt, gehört zu den gefährlicheren Verhaltensweisen.
Untugenden im Umgang und beim Handling
Abseits des Reitens treten Untugenden auch im direkten Umgang auf. Dazu zählen Beißen, Schlagen, das Verweigern des Aufhaltens oder das Reißen an der Longe. Das sogenannte Koppen – bei dem das Pferd Luft schluckt und dabei einen charakteristischen Ton erzeugt – sowie das Weben, ein schaukelndes Hin- und Herpendeln mit dem Vorderkörper, werden als Stereotypien eingeordnet und sind häufig Ausdruck chronischer Stressbelastung oder reizarmer Haltung.
Umgang und Korrektur
Die Korrektur von Untugenden erfordert eine systematische Ursachenanalyse. Zunächst sollte eine tierärztliche Untersuchung Schmerzursachen ausschließen. Anschließend sind Haltung, Fütterung und Ausbildungsstand des Pferdes kritisch zu prüfen. In vielen Fällen ist eine geduldige, konsequente Arbeit unter Anleitung erfahrener Ausbilder erfolgversprechend. Bei tief verankerten Stereotypien wie dem Koppen ist eine vollständige Rückbildung meist nicht zu erwarten; hier steht das Management zur Minderung der Häufigkeit im Vordergrund.
Relevanz beim Pferdekauf
Im Rahmen der Ankaufsuntersuchung spielen Untugenden eine wichtige Rolle, da sie den Wert und die Eignung eines Pferdes erheblich beeinflussen können. Bekannte Untugenden sind beim Kaufvertrag offenbarungspflichtig; werden sie arglistig verschwiegen, kann dies rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Häufige Fragen
Was sind Untugenden beim Pferd?
Untugenden beim Pferd sind erlernte, unerwünschte Verhaltensweisen, die im Umgang, beim Reiten oder im Stall auftreten und die Sicherheit von Mensch und Tier gefährden können. Sie entstehen reaktiv durch Erfahrungen, fehlerhafte Ausbildung, Haltungsmängel oder psychische Belastung und sind damit von angeborenen Charaktereigenschaften zu unterscheiden.
Wie entstehen Untugenden bei Pferden?
Untugenden entstehen häufig als Reaktion auf Überforderung, Schmerz, Langeweile oder fehlerhafte Handhabung durch den Menschen. Auch Haltungsbedingungen mit zu wenig Bewegung und sozialer Isolation begünstigen die Entwicklung solcher Verhaltensauffälligkeiten.
Welche Untugenden sind beim Reiten am häufigsten?
Zu den häufigsten Untugenden unter dem Sattel zählen das Durchgehen, das Steigen, das Bocken und das Scheuen. Steigen und Bocken stellen dabei besondere Sicherheitsrisiken für den Reiter dar und können auf Rückenprobleme, falsch sitzende Ausrüstung oder unzulängliche Hilfengebung zurückzuführen sein.
Sind Untugenden beim Pferd angeboren?
Untugenden sind grundsätzlich nicht angeboren, sondern erlernt und haben eine reaktive Entstehungsgeschichte. In der Praxis können jedoch individuelle Veranlagung und Umwelteinflüsse zusammenwirken, weshalb die Grenze zur angeborenen Charaktereigenschaft nicht immer eindeutig zu ziehen ist.
Was tun wenn mein Pferd Untugenden zeigt?
Bevor ein Verhalten als Untugend bewertet wird, sollte das Pferd zunächst veterinärmedizinisch untersucht werden, um organische Ursachen wie Schmerzzustände oder Erkrankungen auszuschließen. Erst nach Ausschluss gesundheitlicher Ursachen ist eine gezielte Ausbildungs- oder Haltungskorrektur sinnvoll.